FacebookTwitter
TickethotlineTickethotline

Service

Pressetexte

Blinde Kuh

oder Kafkas Labyrinth

Inspiriert von den Erzählungen der Flüchtlinge aus meinem privaten und beruflichen Umfeld, kombiniert mit literarischen und dokumentarischen Texten, ist ein grotesk – komisches Stück entstanden, das mit den Methoden der Improvisation und des Storytellings entwickelt wurde.
Grundthema des Stücks ist die Frage, wie Integration und Identität sich vereinbaren lassen. Was macht Integration aus? Woran ist sie erkennbar? Was wird von der Gesellschaft erwartet? Was macht Identität aus? Was hat Identität mit Familiengeschichte zu tun? Muss man etwas von seiner Identität aufgeben, wenn man sich integrieren will?

Im Zentrum des Geschehens steht der Beamte Josef M., eine kafkaeske Figur, er führt die standardisierten Befragungen durch und entscheidet, wer bleiben darf und wer das Land verlassen muss. Ein kleiner Gott. Er tut seine Arbeit gewissenhaft, aber freudlos, manchmal zynisch.
Seine Sekretärin, eine gebürtige Bosnierin, gut integriert und assimiliert, ist ihrem Chef stets zu Diensten.
Die blinde Justitia würfelt darum, wer bleiben darf und wer nicht.
Drei Flüchtlinge befinden sich im Wartezimmer des Amtes. Sie warten und während dessen triften sie immer wieder ab in ihre Erinnerungen: Da ist Said, der von seiner jungen Ehefrau träumt, mit der er vor der Rache der Eltern aus Afgahnistan geflohen ist und die jetzt im Iran festsitzt. Oder Karim, der bereits einen Pass hat, aber nach Frankreich übersiedeln möchte und nicht versteht, dass das nicht möglich sein soll. Der kommunikationsfreudige Ali wiederum nimmt mit Einheimischen zum ersten Mal Kontakt auf und scheitert kläglich beim Versuch Tabak zu kaufen, weil er den Mann von der Trafik nicht versteht.
Außerhalb des Geschehens stehen zwei Figuren. Der Warner und der Erzähler. Immer wieder tauchen sie auf, lassen sich nicht abschütteln, wenn sie wie eine Kassandra über Populismus, Entstehung des Faschismus und Gefahren für die Demokratien sprechen und singen und so das Geschehen kommentieren.

Kafkas kurze Erzählung „Eine kaiserliche Botschaft“ bildet die dramaturgische Klammer.

Mit – Alaaeldin Dyab, Amin Dyab, Wolfgang Kandler, Bashir Kordaji, Anna Russegger, Caspar Russegger, Valerie Schöberl, Michel Widmer, Rachid Zeinedin
Konzept und Regie – Christa Hassfurther & Bashir Khordaji

Mit unserer letzten Vorstellung am 18. November nehmen wir an der Europäischen Theaternacht teil. Sie steht unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen.